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Unternehmen geben viel Geld für Messen aus: Standfläche, Messebau, Hotels, Reisekosten und die Arbeitszeit der Mitarbeiter summieren sich schnell. Umso erstaunlicher ist, wie häufig bei der Vorbereitung ausgerechnet das vernachlässigt wird, worauf es am Ende ankommt: gute Gespräche mit den richtigen Besuchern.
Dazu müssen Verkäufer Besucher aktiv ansprechen, ihren Bedarf verstehen und konkrete nächste Schritte vereinbaren.
Dabei bleiben Messen gerade im B2B Vertrieb wichtig. Laut AUMA planen 73 Prozent der befragten Unternehmen für 2026 gleich viele oder mehr Messebeteiligungen. Rund 49 Prozent bewerten ihren Messeerfolg vor allem anhand von Leads, Kontakten und Neukundengewinnung. Grundlage ist eine Befragung ausstellender Unternehmen der AUMA.
Auch finanziell haben Messen Gewicht. Laut der Studie „B2B Marketing Budgets 2026“ des Bundesverbands Industrie Kommunikation fließen 41 Prozent der externen B2B Marketingbudgets in Messen, externe Veranstaltungen und Kundenevents. Gleichzeitig gelten diese Formate nach bvik dort als wichtigstes Instrument für die Leadgenerierung.
Wer so viel Geld investiert, sollte sich deshalb eine einfache Frage stellen: Was soll nach der Messe konkret anders sein als vorher?
Messevorbereitung im Vertrieb: Was auf der Messe passiert, entscheidet sich acht Wochen vorher
Messe gebucht, Stand geplant – und jetzt auf Besucher hoffen? Das ist teuer. Entscheidend ist, was Wochen vorher passiert. Maximilian Hedt zeigt aus der Praxis, wie Zielkunden, Terminplanung und konsequentes Nachfassen …
Mehr lesenEin voller Messestand ist noch kein Erfolg!
Nach einem Messetag hört man gerne den Satz: „Heute war richtig was los.“ Nur sagt das wenig aus. Zwanzig Gespräche mit passenden Entscheidern können wertvoller sein als 150 gescannte Besucherausweise. Deshalb braucht jede Messebeteiligung konkrete Vertriebsziele, beispielsweise:
- Welche bestehenden Kunden wollen wir gezielt treffen?
- Welche Wunschkunden wollen wir erstmals persönlich sprechen?
- Wie viele qualifizierte neue Kontakte wollen wir gewinnen?
- Bei wie vielen bestehenden Verkaufschancen wollen wir einen Schritt weiterkommen?
So ist beispielsweise die Aussage „Wir wollen viele gute Gespräche führen“ kein Ziel. Hingegen ist „Wir wollen aus 30 Gesprächen mit unserer Zielgruppe zehn konkrete Folgetermine gewinnen“ eines.
Die Akquise beginnt vor der Messe!
Einer der teuersten Messefehler besteht darin, morgens den Stand zu öffnen und darauf zu hoffen, dass die richtigen Menschen vorbeikommen. Jeder Verkäufer sollte deshalb vorab festlegen, welche Kunden und Wunschkunden er auf der Messe unbedingt treffen möchte.
Dabei reicht eine Einladung wie „Besuchen Sie uns in Halle 4, Stand 317“ nicht. Der Kunde braucht einen Grund, seine knappe Messezeit dafür einzuplanen. Beispielsweise im Rahmen einer telefonischen Einladung „Sie hatten damals gesagt, dass Sie mit Ihrer jetzigen Lösung an zwei Punkten unzufrieden sind. Genau dazu zeigen wir auf der Messe etwas Neues. Wollen wir uns das gemeinsam ansehen?“
Wer Besucher anlocken will, muss für diese relevant sein. Präsenz alleine reicht nicht.
Wie sprechen Verkäufer Besucher am Messestand an?
Häufig öffnet die Messe und das Standteam wartet. So stehen nicht selten Mitarbeiter hinter dem Tresen, sprechen miteinander oder schauen auf ihr Smartphone – und Interessenten laufen vorbei.
Der Klassiker „Kann ich Ihnen helfen?“ macht es dem Besucher leicht, mit „Nein danke, ich schaue nur“ zu antworten.
Warum sollte dieser auch entgegnen „Danke, dass Sie mich ansprechen, was haben Sie zu bieten?“ Besser funktionieren Fragen wie:
- „Ich habe eine Idee, wie Sie (hier Kundennutzen einfügen) erzielen, darf ich Ihnen dazu mal was zeigen?“
- „Welches Thema interessiert Sie hier besonders?“
- „Wonach halten Sie heute auf der Messe Ausschau?“
Damit beginnt ein Gespräch, ohne dass der Besucher sofort das Gefühl bekommt, in einem Verkaufsgespräch festzustecken.
Gute Messeverkäufer präsentieren weniger
Sagt ein Besucher beispielsweise „Das klingt interessant“, hilft eine einfache Nachfrage im Sinne von „Was genau finden Sie daran interessant?“, um danach kundenindividuell präsentieren zu können.
Gute Messeverkäufer versuchen zuerst herauszufinden:
- Wie löst der Kunde das Thema heute?
- Was stört ihn daran?
- Warum beschäftigt er sich gerade jetzt damit?
Nicht jeder Besucher verdient 20 Minuten Aufmerksamkeit. Wenn nach wenigen Minuten klar wird, dass weder Bedarf noch Potenzial vorhanden sind, darf ein Gespräch freundlich beendet werden. Denn Messezeit ist Vertriebszeit.
Wann wird ein Messekontakt zum qualifizierten Lead?
Wer nach einer Messe sagt, er habe 327 Kontakte gesammelt, freut sich oft. Aber: Was weiß der Aussteller wirklich über diese 327 Menschen? Ein Name, eine Firma und eine E- Mail-Adresse ergeben noch keinen qualifizierten Lead.
Der Verkäufer sollte zumindest dokumentieren:
- Welches konkrete Thema oder Problem beschäftigt den Kunden?
- Wie relevant ist der Kontakt für das eigene Unternehmen?
- Welcher nächste Schritt wurde vereinbart?
Noch besser ist es, den nächsten Schritt direkt am Stand zu vereinbaren. Also nicht „Wir melden uns nach der Messe“, sondern: „Lassen Sie uns direkt einen Termin für kommende Woche vereinbaren. Dann können wir Ihr Thema in Ruhe besprechen.“ Damit verändert sich die Qualität eines Messekontaktes erheblich.
Die Nachbereitung beginnt auf der Messe
Je besser auf der Messe der Bedarf dokumentiert und je konkreter der nächste Schritt vereinbart wurde, desto leichter wird das Follow-up. Im besten Fall beginnt die Nachbereitung deshalb nicht erst nach der Messe, sondern bereits am Messestand.
Denn genau hier gehen viele gute Messekontakte verloren: Beide Seiten hatten ein angenehmes Gespräch, grundsätzlich besteht Interesse – aber danach ist unklar, wer den Ball nun in seinen Händen hält und wem zuspielen muss.
Aus Interesse wird nicht automatisch ein Auftrag
Auch ein vielversprechender Messekontakt hat nach der Veranstaltung wieder einen vollen Schreibtisch. Wer jetzt darauf wartet, dass sich der Interessent von selbst meldet, kann bis dahin noch viel Kaffee trinken.
Verbindlich zu verkaufen bedeutet dabei nicht, den potenziellen Kunden unter Druck zu setzen, sondern ihm Orientierung zu verschaffen und den Verkaufsprozess aktiv zu führen. Mit „Melden Sie sich gerne, wenn Sie Fragen haben“ zu enden, kann auf Dauer tödlich sein für Ihr Business.
Aber: „Ich schicke Ihnen das Angebot am Dienstag. Lassen Sie uns z.B. Donnerstag kurz telefonieren und durchgehen, ob es für Sie so passt und wie wir weiter vorgehen“ ermöglicht es Ihnen, sanft die Richtung vorzugeben.
Konsequent nachfassen, ohne hinterherzulaufen
Trotzdem wird es Situationen geben, in denen ein Interessent nicht reagiert oder eine Entscheidung immer wieder verschiebt. Sie schreiben noch eine freundliche E-Mail, warten einige Tage und versuchen es vielleicht ein weiteres Mal. „Der wird sich schon melden, wenn er Interesse hat“.
Wer einen relevanten Bedarf erkannt und einen sinnvollen nächsten Schritt besprochen hat, darf auch konsequent bleiben. Entscheidend ist, nicht einfach nur zu fragen „Haben Sie meine E-Mail erhalten?“, sondern das Gespräch inhaltlich weiterzuführen und Klarheit zu schaffen.
Das kann beispielsweise bedeuten, konkret nachzufragen, was einer Entscheidung noch im Weg steht, ob sich Prioritäten verändert haben oder ob das Thema aktuell nicht weiterverfolgt werden soll. Auch ein klares Nein ist für beide Seiten hilfreicher als wochenlange Unverbindlichkeit.
Fazit: Der teuerste Quadratmeter steht manchmal direkt vor dem Stand
Unternehmen diskutieren wochenlang über Standdesign, Beleuchtung, Catering und Give-aways. All das hat seine Berechtigung. Doch der schönste Messestand bringt herzlich wenig, wenn die Mitarbeiter dort keine Konversation anregen, Besucher nicht qualifizieren, zu viel präsentieren und am Ende keine konkreten nächsten Schritte vereinbaren.
Der teuerste Quadratmeter einer Messe ist deshalb derjenige, auf dem gerade ein potenzieller Kunde steht und niemand ein anregendes Gespräch mit ihm führt.
Der Messeerfolg zeigt sich nicht daran, wie voll der Stand war oder wie viele Kontakte anschließend im CRM stehen. Entscheidend ist, wie Sie durch Konsequenz aus vielversprechenden Gesprächen konkrete Termine und hoffentlich verbindliche Aufträge generieren.
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